Jeder Schuh hat seine Geschichte

12. 05. 2004

Torgau. Das schöne Geschlecht, sprich die Damenwelt ist ja dafür bekannt, einen besonderen Faible für Schuhe zu haben. Die als eher stark statt schön geltenden Herren dagegen machen in der Regel gern einen Bogen um zu viele Schuhe, vor allem, wenn die sich in Geschäften befinden. Einer aber ist da ganz anders. Arno Carius, Schuhmachermeister aus Torgau ist ein Mann, der zweifelsohne mehr Schuhe besitzt als seine Frau. Und genau die können ab diesen Samstag, dem 6. Dezember, dem Tag des heiligen Nikolaus also, in einem kleinen, aber feinen Museum bewundert werden. Die Idee wuchs seit mehreren Jahren in dem sympathischen und schuhbegeisterten  Ex-Potsdamer, der Torgau seit 20 Jahren seine Heimat nennt. Umgesetzt wurde sie jetzt aber durch die Schuhmacherinnung Leipzig-Halle-Brandenburg, die auch künftig als Betreiber des Museums in Erscheinung tritt.

Arno Carius als Innungsobermeister stellte die Räumlichkeiten für das Museum zur Verfügung, eine alte Werkstatt seines Großvaters in der Holzweißigstraße. Die wurde in den vergangenen Wochen auf Vordermann gebracht, sprich saniert und renoviert. Ähnlich verfuhren und verfahren die Schuhmacher der Innung jetzt mit den über 200 Paar Schuhen, die Arno Carius in den vergangenen Jahren gesammelt hat. „Und täglich werden es mehr“, sagt der Torgauer. Auch die müssen vor der Eröffnung am Samstag noch einmal aufgearbeitet werden. Dabei helfen dem Torgauer die Mitglieder der Innung. An jedem Wochenende in den vergangenen Monaten flogen die Schuhmacher bei ihm ein, unterstützten ihn bei den notwendigen Arbeiten. Auch heute sind wieder einige Innungsmitglieder vor Ort, um den Ausstellungsschuhen den notwendigen Glanz zu verleihen.

Und dabei haben längst nicht alle Platz im Museum. „Aber das ist kein Problem, wir können die Ausstattung des Museums jederzeit einem bestimmten Thema anpassen“, sagt Arno Carius. Schließlich gibt es in seinem Fundus Schuhe aus mehreren Jahrhunderten, angefangen von der Römerzeit bis heute. Auch die ausgestellten Maschinen sind im Schnitt 100 Jahre und älter. Besonders stolz ist der Schuhmachermeister auf die große Zahl an Kinderschuhen, die im Innungsmuseum ab Samstag zu sehen sind. Die ältesten stammen aus dem Jahr 1880. „Viele Eltern wollten damals wie heute das erste paar Schuhe ihrer Kinder nicht wegwerfen, behalten sie viele Jahre als Glücksbringer. Und manchen bringen sie eben auch zu mir, wissen, dass sie hier in guten Händen sind“, strahlt Arno Carius und ist dankbar für die vielen Exponate, die die Bürger aus Torgau und der Umgebung in den vergangenen Jahren gespendet haben.

Das Museum, so viel steht bereits fest, soll nicht tagtäglich geöffnet sein, sondern je nach Bedarf. Vor allem Schulklassen soll es offenstehen. Dann werden Innungsmeister vor Ort sei, um für die notwendige Aufklärung zu den Exponaten zu sorgen. „Jeder Schuh hat seine Geschichte“, sagt Arno Carius. Er selbst gleicht schon fast einem wandelnden Lexikon. Hunderte interessante Geschichten und Fakten hat er zu erzählen, sowohl über sein Handwerk und den Ruf als solches als auch über die Entwicklung des Schuhwerks. Letztendlich hatte sich die Innung auch entschieden, das Museum zu eröffnen, um etwas für die Nachwuchsgewinnung zu tun. Um das Interesse der Jugend am Schuhmacherhandwerk ist es aktuell nämlich nicht gut bestellt, obwohl die Innung selbst topfit ist, was die Ausbildung angeht. Deshalb arbeitet sie intensiv daran, die Lage zu ändern.

Sie will die Jugendlichen für Schuhe und das Handwerk begeistern. „Viele wissen doch heutzutage gar nicht mehr, dass man Schuhe auch reparieren kann, geschweige denn wie“, sagt Arno Carius. Auch Letzteres werden die Besucher des Museum künftig erfahren. Während zur Eröffnung am Samstag noch eine Sitzgruppe eine Ecke des Raumes füllt – um dem sicher auch älteren Publikum einen Platz zu bieten – soll an eben dieser Stelle künftig eine kleine Schuhmacherwerkstatt prangen. „Hier können wir dann auch am praktischen Beispiel zeigen, was unserer Handwerk ausmacht.“  - Artikel aus der Torgauer Zeitung 03-12-2014

 

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