deutsch-französischer Austausch für Schuhmacher-Azubis

Französische Schuhmacher-Azubis zu Gast
bei deutschen Handwerksbetrieben im Kammerbezirk Düsseldorf
„Schuster bleib' bei deinen Leisten!“ Diese Redewendung ist weithin bekannt. Dass man aber innerhalb seines Berufes dennoch einen Blick über den Tellerrand werfen kann, haben vier französische Schuhmacher-Azubis wahrgemacht, indem sie im Feb-ruar zweiwöchige Betriebspraktika bei Mitgliedsbetrieben der Handwerkskammer Düsseldorf absolvierten.
Das Strahlen in den Augen von Héloise zeigt: Die Entscheidung, den heimatlichen Betrieb in Frankreich für 14 Tage zu verlassen und gegen eine deutsche Schuhmacherwerkstatt einzu-tauschen, hat sie nicht bereut. Wobei für sie von vornherein nie ein Zweifel daran bestand, dass sich der berufliche Aufenthalt fachlich lohnen werde: „Es war vielmehr die Sprachbarrie-re, die mir die größten Sorgen bereitet hatte.“ Die gleichen Bedenken teilte zunächst auch ihre „Chefin auf Zeit“, Frau Drittler, Inhaberin der Schuhmacherei Drittler in Essen. Denn die eine spricht kein Deutsch, die andere kein Französisch. Und doch merkt man, dass die bei-den sich bestens verstehen: Mit ein bisschen Englisch, Händen und Füßen und Onlinewör-terbüchern konnten sie dennoch miteinander fachsimpeln. Nicht zuletzt verbindet auch das Handwerk: Da Héloise bereits seit vier Jahren das Schuhmacherhandwerk in Frankreich er-lernt, hat sie bereits ein breites Basiswissen mit nach Deutschland gebracht, von dem sie nun profitiert. Allerdings gibt es natürlich auch Unterschiede in der Arbeitsweise, teilweise auch dort, wo man sie vielleicht nicht vermutet hätte: „In Deutschland arbeitet man häufig im Sitzen. Das ist zum einen rückenschonend, zum anderen kann man so auch ganz anders seine Kraft einsetzen. In Frankreich ist das Arbeiten im Sitzen verpönt, fast alle Tätigkeiten werden dort im Stehen verrichtet, selbst wenn man dabei häufig eine gebeugte Haltung ein-nehmen muss.“
Die unterschiedliche Arbeitshaltung in Deutschland und Frankreich ist auch Esteban und Rémy aufgefallen, zwei Klassenkameraden von Héloise aus der Berufsschule in Tours, die gemeinsam im Gastbetrieb Soulier d'Or in Düsseldorf arbeiteten. Aber auch die Ausbildungs-inhalte in den beiden Ländern wichen voneinander ab: In Frankreich unterscheidet man zwi-schen dem cordonnier multiservices und dem cordonnier bottier: Ersterer ist lediglich für die Reparatur von Schuhen zuständig, letzterer fertigt selbst Schuhe an. Die beiden Berufe ha-ben bei unseren europäischen Nachbarn jeweils einen eigenen Ausbildungsgang, daher hat-ten Esteban und Rémy in ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn lediglich mit der Instandhal-tung von Schuhen zu tun. Umso spannender war es für die beiden, dem Inhaber von Soulier d'Or, Herrn Haj Haddou, über die Schulter gucken zu können, während er Maßschuhe selbst anfertigt. Denn in Frankreich zählt der Beruf „Maßschuhmacher*in“ zu den so genannten métiers rares, den seltenen Berufen. Auch hierzulande muss man in diesem Gewerk etwas Besonderes bieten, um die Kundschaft zufriedenzustellen, das weiß auch Haj Haddou, und bei ihm fängt dies bereits beim Ambiente im Kundenbereich an, der in gemütlicher Salonat-mosphäre zum Verweilen einlädt

 

Foto: Frau Drittler links und Héloise rechts